Servus Lukas

Es gibt Tage, da fragt man sich, was man dem Fußballgott eigentlich getan hat. Heute ist so ein Tag. Lukas verlässt uns. Nicht etwa, weil er bei einem ambitionierten Bezirksligisten unterschrieben hat (das wäre, mit Verlaub, auch sportlich überraschend), sondern weil ihn das Schicksal ins Frankenland verschlägt. Frankenland. Das ist quasi Bayern, aber die Franken würden uns für diesen Satz vermutlich mit einer Bratwurst erschlagen.

Der Mann, der nicht rannte – aber traf

Lukas war nie das, was Trainerlegenden „laufstark“ nennen. Wenn der Ball auf der anderen Spielfeldhälfte war, hatte Lukas oft schon eine kleine Pause eingelegt, philosophisch in die Ferne geblickt und sich gefragt, ob das Leben mehr zu bieten hat als 2×45 Minuten auf dem Kunstrasen in Gröbenzell. Dann aber – und das ist der Punkt – kam der Ball in den Strafraum, Lukas tauchte auf wie aus dem Nichts, und drosch das Ding mit einer Wucht ins Eck, dass sich der gegnerische Torwart noch Wochen später bei seinem Physiotherapeuten ausweinte. Effizienz nennt man das. Energiesparmodus mit Schussstärke. Pep Guardiola würde davon träumen.

Königsblau bis zum bitteren Ende

Dass Lukas Schalke-Fan ist, war für uns immer mehr Verpflichtung als Information. Wenn man jahrzehntelang zu einem Verein hält, der einen mit der Beständigkeit eines Schweizer Uhrwerks enttäuscht, dann hat man Charakter. Echten Charakter. Lukas hat uns gelehrt, was Treue bedeutet: nämlich auch dann noch „Glück auf!“ zu rufen, wenn der Lift im Bergwerk schon im freien Fall ist. Wir haben ihm dafür viele Sticheleien zugemutet – Schalke-Witze waren auf der Bank quasi Pflichtprogramm – und er hat sie alle mit jenem milden Lächeln ertragen, das nur Schalker und buddhistische Mönche zustande bringen.

Und jetzt? Franken.

Wir haben es uns auf der Karte angeschaut. Es ist weit. Es ist sehr weit. Es ist so weit, dass man dort offenbar Bier in halben Litern trinkt und Würste in Dreierpacks serviert. Lukas wird sich wohlfühlen, das sehen wir kommen. Aber wir – wir bleiben hier, in Gröbenzell, mit einer Lücke im Sturmzentrum, die so groß ist, dass wir sie vermutlich nur mit drei neuen Spielern, einem Sportpsychologen und einer kollektiven Trauerphase füllen können.

Was bleibt

Bleiben werden die Erinnerungen: an die Tore aus unmöglichen Winkeln, an die Diskussionen über den DFB-Pokal („Wir hätten gewinnen können, wenn…“), an die After-Match-Biere, bei denen Lukas immer einen Spruch parat hatte, der so trocken war, dass man danach nachbestellen musste. Wir sind ehrlich traurig. Trauriger, als wir es einer Freizeitmannschaft zugestehen wollten. Aber so ist das eben mit dem Alptraumteam: Wir sind kein Verein, wir sind eine Familie. Eine sehr unsportliche, sehr lustige, sehr verfressene Familie.

Lukas, mach’s gut. Lass dich nicht zu sehr verfränkern. Komm uns besuchen. Und falls in Franken irgendwo ein Bolzplatz ist, auf dem ein leicht außer Atem geratener Mann plötzlich aus 20 Metern einen Hammer ins Kreuzeck setzt – dann wissen sie dort schon, wer du bist.

Glück auf, Brudi. Und Pfiat di.

— Dein Alptraumteam

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